Paneuropa-Treffen Vorarlberg - Elsass
 

"Paneuropa-Ferientreffen" am Bödele ( Dornbirn):

Durch die Initiative von Dr. Philippe Nuss (in der Bildmitte) aus Ostwald ergab sich eine vorerst persönliche regionale Zusammenarbeit zwischen Vorarlberg und dem Elsass. Aus dieser Urlaubsbekanntschaft soll eine über die Grenzen hinweg reichende Kooperation, ganz im Sinne Paneuropas, erwachsen.

Dr. Nuss ist Mathematik-Dozent an der Universität Straßburg und Mitglied des Strategieausschusses des Forum Carolus. www.forum-carolus.org

Zu unserer Zusammenarbeit mit dem Elsass, das zumindest ursprünglich genauso alemannisch war wie Vorarlberg, passt wohl der folgende Artikel von Bernd Posselt, Präsident der PEU Deutschland:

Neues aus Versailles

Dieser Tage fand in Frankreich, nur eine Woche nach dem 14. Juli, wieder einmal eine wenn auch nur kleine Revolution statt - allerdings nicht auf dem Place de la Bastille, sondern in Versailles. Dort hatten jene letzten großen Bourbonenkönige residiert, die das Land zwar absolutistisch zentralisierten, ihren Untertanen aber doch noch weitgehend deren kulturelle Identität ließen. Sie verstanden überhaupt nicht, worin das Problem liegen sollte, wenn man sie etwa darauf hinwies, dass ihre elsässischen und lothringischen Regimenter Deutsch sprachen. Dies sollte die ebenfalls in Versailles konstituierte Nationalversammlung der republikanischen Revolutionäre ganz anders sehen. Von den Jakobinern radikalisiert, fand es die "république une et indivisible"skandalös, dass man im Land um Straßburg "nicht die republikanische Sprache", also Französisch, beherrschte, und dieser Geist lebte in verschiedener Intensität und verschiedenen Varianten bis heute weiter, was auch französische Bretonen, Basken, Okzitanier, Flamen und andere Volksgruppen bestätigen können.

Deshalb war es wirklich eine kleine Revolution, als jetzt der französische Kongress, der aus Senat und Nationalversammlung besteht, an historischer Stätte, nämlich erneut in Versailles, eine Reform der Verfassung der Fünften Republik beschloss und in Artikel 75-1 lapidar festhielt: "Die Regionalsprachen gehören zum Erbe Frankreichs." Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatte diese Veränderung schon vierzehn Tage vorher im Straßburger Europaparlament angekündigt, als er Europas Reichtum an sprachlicher Vielfalt lobte und darin ausdrücklich "Regionalsprachen wie das Korsische" einbezog.

Die vom Präsidenten einberufene Kommission, die die Verfassungsreform Frankreichs vorbereitete, hatte ursprünglich noch viel weiter gehen wollen; doch auch die jetzige Formulierung bedeutet einen Tabubruch. Frankreich war etwa selbst den schwachen Regelungen der UNO zum Minderheitenschutz nur unter der Bedingung beigetreten, dass in einer Fußnote festgehalten wurde, in diesem Staat gebe es keine Minderheiten, sondern lediglich Franzosen. Intensive Bemühungen im Europäischen Parlament, die nach der ersten Direktwahl 1979 vor allem vom damaligen Präsidenten der Paneuropa-Deutschland und früheren Bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel MdEP ausgegangen waren, eine Europäische Volksgruppen- und Minderheitencharta zu schaffen, waren in den achtziger und neunziger Jahren in erster Linie am Widerstand aus Paris gescheitert. Auch im Europarat, der immerhin eine Minderheitenkonvention und eine Charta der Regionalsprachen verabschiedete, gehörte Frankreich aufgrund seiner spezifischen Staatstradition zu den Bremsern.

Eine EU, die auf dem Balkan die Einhaltung von Volksgruppen- und Minderheitenrechten vorschreibt, sie zur Voraussetzung für Assoziierungen und Beitritte macht, kann im Inneren nicht minderheitenblind bleiben. Es war ein Paneuropäer, Siegbert Alber, der schon vor Jahrzehnten im Europaparlament darauf hinwies, dass in der Europäischen Union auch angeblich große Völker wie Deutsche, Franzosen oder Briten nur Minderheiten sind.